Wissenswerstes ber die Arbeitergeschichte in der Region

Geschichte der Arbeiterbewegung Cuxhavens

(11.03.2015) .








100 Jahre
Metallarbeitergewerkschaft
in Cuxhaven

Aus den Cuxhavener Nachrichten vom 26. Oktober 2002:

Klempner kmpfen schon ab 1902 fr bessere Arbeitsbedingungen und Lhne


Im Oktober 1902 wurde bei dem damaligen hamburgischen Amtsverwalter Dr. Kaemmerer als oberstem Polizeichef fr das Hamburger Amt Ritzebttel eine Zahlstelle des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes (DMV) angemeldet. Der DMV ist die Vorgngergewerkschaft der heutigen Industriegewerkschaft Metall (IGM). Damit feiern die gewerkschaftlich organisierten Metallarbeiter in Cuxhaven in diesem Monat ihr 100jhriges Jubilum.

Im Februar 1902 fanden sich 14 Klempnergesellen zusammen, um ber einen Zusammenschluss zu beraten. Ziel war die Verbesserung der Arbeits- und Lohnbedingungen. Aus den Beratungen heraus wurde dann im Oktober eine offizielle Anmeldung beim Amtsverwalter vorgenommen. Auf dieser ersten Liste sind bereits 38 Mitglieder verzeichnet, auch dieses berwiegend Gesellen der hiesigen Klempnerfirmen.

Die Klempnergesellen hatten zu diesem Zeitpunkt gute Chancen, ihre Lhne und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Durch die Schaffung eines Wassernetzes seit 1896 mit der Pflicht der Haus- und Hotelbesitzer, ihr Haus an dieses Wassernetz anzuschlieen, hatten die in Cuxhaven ansssigen Klempnerfirmen die Aussicht auf eine einigermaen geregelte Auftragslage.

1904 kamen dann auch die gewerkschaftlich organisierten Werftarbeiter in Cuxhaven zum Metallarbeiterverband, sodass nun die wesentlichen Teile der hiesigen Metallarbeiter organisiert waren. Rund 60 Mitglieder zhlte der Verband in dieser Zeit, kurz vor dem 1. Weltkrieg waren es 75 in Cuxhaven. Trotz der geringen Zahl der Mitglieder kam es 1904 und 1907 im Klempnergewerbe bereits zu Streiks. 1907 wurden etwa eine Arbeitszeit von 9,5 Stunden am Tag und einen Stundenlohnvon 60 Pfennig gefordert, allerdings ohne Erfolg. 1911 war dann ein Streik der Heizungsmonteure erfolgreich, die Baukonjunktur war damals im deutschen Reich gut.

Auch in Cuxhaven wurde viel gebaut, die Stadt etwa stellte in diesem Jahr ihre ersten hauptamtlichen Baumeister ein und die Petrikirche oder die Schule in Groden wurden eingeweiht. 85 Pfennig wurden als Stundenlohn fr Monteure gezahlt, bei einer 9-stndigen Arbeitszeit an sechs Tagen.

Die Metallgewerkschaftler grndeten 1910 eine Zweigkasse der "Sterbe- und Krankenkasse der Metallarbeiter im deutschen Reich" fr Cuxhaven. 1912 gab es fr die Klempner in Cuxhaven einen ersten schriftlich formulierten Tarifvertrag in der Metallbranche.

Whrend des Krieges wurden die meisten Mitglieder zum Kriegsdienst eingezogen, nur sieben verblieben in Cuxhaven. Die Gelder der ffentlichen Kasse wurden an die Familien der eingezogenen Mitglieder als Untersttzung ausgezahlt. Im Oktober 1917 begann eine neue organisierte Arbeit der Metaller. Vor allem linke Sozialdemokraten um Hermann Kraatz, den spteren rtlichen USPD-Vorsitzenden und Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates von Cuxhaven, organisierten die Arbeiter in dem hiesigen Munitionsdepot in Groden.

Anfang 1918 gab es wieder 75 organisierte Kollegen in der Verwaltungsstelle Cuxhaven. 1918 brachte die Einfhrung des Acht-Stunden-Tages durch die Weimarer Republik, aber auch zahlreich Streiks auch in Cuxhaven. Die Schlosser, Klempner und die Werftarbeiter streikten, aber nicht immer erfolgreich. Die Werftarbeiter bei Mtzelfeldt mussten damals beispielsweise eine Niederlage einstecken.

Herauszuheben ist fr 1924 eine sechswchige Aussperrung der Werftarbeiter bei Mtzelfeldt und der Beckmannwerft, weil die Arbeitgeber den 9-Stunden-Tag wieder einfhren wollten. Die Arbeiter konnten dies verhindern. Die 9. Arbeitsstunde wurde zwar hufig geleistet, doch als berstunde bezahlt. 1929 gab es kurz vor der Weltwirtschaftskrise einen weiteren Streik, die Klempner erreichten eine Erhhung ihres Stundenlohnes um 8 Pfennig auf 1,22 Reichsmark. In dieser Zeit hatte der DMV in Cuxhaven 341 Mitglieder, davon waren rund 50 Lehrlinge.

Am 2. Mai 1933 wurde das Bro des DMV in der Nordersteinstrae ber der Gaststtte "Zur Sonne" (heute das Kaufhaus Woolworth) durchsucht und geschlossen, die Metallarbeitergewerkschaft in Deutschland verboten und das Vermgen und der Besitz beschlagnahmt.

Im Mrz 1948 wurde in Cuxhaven wieder eine Ortsverwaltung der Metallarbeitergewerkschaft gegrndet, die sich nun Industriegewerkschaft Metall nannte. Der erste Bevollmchtigte war der Maschinenschlosser Otto Oehlschlger. Die Ortsverwaltung hatte 1948 1030 Mitglieder.

Auch Lohnbewegungen gab es zu dieser Zeit, meist auf einzelne Betriebe beschrnkt. Bezahlt wurden dort Lhne, die sich immer noch auf dem Niveau der 1930er Jahre bewegten. Zwischen 1,05 und 1,18 DM bekam ein Arbeiter pro Stunde. Cuxhaven wurde in den 1950er Jahren organisatorisch eine Zahlstelle der Hamburger IGM. Die Metaller hofften dadurch Anschluss an das hhere Hamburger Lohnniveau zu erreichen.

Erst 1960 wurde Cuxhaven wieder eine eigene Verwaltungsstelle der IGM, mit dem ehrenamtlichen 1. Bevollmchtigten Hein Schmidt und der hauptamtlichen Verwaltungskraft Charlotte Laubstein. 999 organisierte Kollegen wurden damals dort in der kleinsten Verwaltungsstelle der BRD betreut. Der letzte Streik in den "goldenen Jahren" der alten Bundesrepublik wurde 1970 dann schon in Bremerhaven im Werft- und Ausrstungsbereich der Hochseefischerei begonnen und in Cuxhaven fortgesetzt.
Gefordert wurden damals Lohnerhhungen von 0,59 DM in der Stunde. Nach zehn Tagen Streik im November 1970 wurde der Lohnkampf erfolgreich beendet. Heraus kamen durchschnittliche Stundenlhne von 6,56 DM im Metallbereich von Cuxhaven.

Ein Beschluss des IGM-Gewerkschaftstages hob dann die insgesamt drei Verwaltungsstellen im Bundesgebiet mit ehrenamtlichen Bevollmchtigten auf, Cuxhaven kam am 1. Oktober 1975 organisatorisch zu Bremerhaven. Etwas hilflos steht dazu im Protokollbuch der IGM Cuxhaven: "Die Zusammenlegung ist beschlossen und wir knnen dagegen nichts mehr tun. Also werden wir uns nicht gegen den Zusammenschluss stellen."

Nach 73 Jahren endete die Geschichte einer eigenen Organisation der Metaller in Cuxhaven, die 1975 immerhin 1593 Mitglieder vor Ort hatte. Letzter ehrenamtlicher 1. Bevollmchtigter war zu diesem Zeitpunkt Willi Brockmann.

Damit war natrlich die Geschichte der organisierten Metallarbeiter in Cuxhaven nicht zu Ende. Sie spielten etwa im Kampf um den Erhalt der Arbeitspltze in der Hochseefischerei im Jahr 1981 eine bedeutende Rolle, da viele Beschftigten im Landbetrieb der "Nordsee - Deutsche Hochseefischerei" in der IGM organisiert waren. Im Januar und Februar wurde versucht den Fischereihafen fr auslndische Anlandungen per Schiff und LKW zu sperren. 12 Stunden lang wurde die Seeschleuse zum Neuen Fischereihafen besetzt. Fast gleichzeitig kam es im Mrz 1981 zu Warnstreiks in den Werften und Landbetrieben der Hochsee-Fischerei.

Heute hat die IGM in Cuxhaven 952 Mitglieder, mit dem Betriebsratsvorsitzenden von Impress GmbH & Co. Ulrich Khler stellt sie auch den 2. ehrenamtlichen Bevollmchtigten der Verwaltungsstelle Bremerhaven.


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Stand: Oktober 2002



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